Gourdin Island war die zweite Destination, die das Expeditionsteam an diesem Tag im Antarctic Sund auswählte, um doch noch anlanden und den Adelie Pinguinen ganz nahe sein zu können. Diese Destination war eine geniale Entscheidung und für mich definitiv einer der besten Nachmittage in der Antarktis.
Wie schon öfter auf dieser Reise, wurde es viel interessanter als erwartet. Wir dachten nach jedem Highlight, dass wir damit alle großartigen und sehenswerten Sachen gesehen hätten. Doch wir wurden ständig mit weiteren Sensationen überrascht. Obwohl, oder vielleicht gerade weil das Expeditionsteam oft umdisponierte, um passende Orte für uns zu finden.
Auf der Suche nach Anlandungsplätzen
Eigentlich hätten wir ursprünglich auf Gourdin Island anlanden sollen. Dann ergab sich die Möglichkeit, bei Brown Bluff anzulanden und wir schauten dort vorbei. Doch da es zu viel Eis an dieser Stelle gab, wurde kurzerhand unser ursprünglicher Plan mit Gourdin Island reaktiviert. Als wir hörten, dass auch bei Gourdin Island relativ wenig Platz war, beziehungsweise extrem viel Pinguine dort gerade ihre Jungtiere hüteten, waren wir kurz enttäuscht. Denn das bedeutete, dass eine geteilte Anlandung durchführt wurde und wir mit rund der Hälfte der Reisenden zuerst noch mit dem Zodiac im Wasser herum fuhren.
Straße der Eisberge und Wasser im Boot
Doch schon nach wenigen Minuten war die Enttäuschung wie weggeblasen. Im Antarctic Sund, der unter Insidern auch Straße der Eisberge genannt wird, konnten wir extrem große Eisberge sehen, die es nur dort gibt. Im Sommer brechen nämlich große Teile oder gleich die gesamten Gletscherzungen ab, die bereits über dem Meer hängen und so als riesiger Block ins Wasser fallen. Zwischen den unglaublich beeindruckenden und riesigen Tafeleisbergen fühlten wir uns ganz winzig. Sogar uns Schiff wirkte schon neben einem kleineren Exemplar eines Eisberges verloren klein.
Während wir die Bootstour genossen, musste leider eines unserer Zodiacs zum Schiff zurückkehren. Der Guide war zu nah an einem flachen Küstenstück und das Zodiac wurde von hinten von einer Welle überspült. Glücklicherweise gab es keine verletzten Personen, aber leider Materialschaden. Und es ist echt blöd, wenn man in dieser kalten Region vom eisigen Wasser überschüttet wird, weil man sofort komplett durchgefroren ist.
Malerischer arrangierter Eisberg
Besonders beeindruckend und von den Farben extrem schön war ein großer Eisberg, auf dem auch ein paar Pinguine wie auf einem Gemälde drapiert standen. Das Hellblau wechselt in allen Schattierungen während rund um dem Berg Horden von Pinguinen durchs Wasser sprangen. Egal in welche Richtung wir blickten, überall kamen sie blitzschnell aus dem Wasser und verschwanden genauso schnell wieder. Besonders putzig war der Seeleopard, der an der Ecke des Eisberges im schönsten Eisblau plantschte und dazwischen immer wieder neugierig den Kopf hob.
Seeleopard zerfetzt Pinguin
Bei einem anderen Eisberg gab es danach ein besonders bewegendes Erlebnis. Ein hungriger Seeleopard hatte gerade einen Pinguin gefangen und zerfetzte ihn. Viele Expeditionsteilnehmer schrien entsetzt auf, als der Seeleopard den Pinguin in Stücke riss und ihm die Haut abzog. Ich fand es überwältigend, so eine Szene hautnah sehen zu können. Natürlich ist es kein ästhetisches Erlebnis. Aber hoch interessant war, mit welcher Energie der Seeleopard arbeiten musste, bevor er das Tier verspeisen konnte und wie viele Vögel ganz nah heranflogen, um sich selbst Stücke des Pinguinfleisches direkt aus dem Maul des Seeleoparden zu schnappen.
So funktioniert Natur. Aber im Gegensatz zu uns Menschen töten Tiere nur dann, wenn sie gerade ihren Hunger stillen müssen.
Adeliepinguine auf Gourdin Island
Nach einer guten Stunde, vollgepackt mit überwältigenden Eindrücken, konnte unsere Gruppe bei Gourdin Island an Land gehen. Dort wimmelte es nur so von Pinguinen. Der größte Anteil waren Adeliepinguine mit ihren super flauschigen, dunkelgrauen Küken, die ständig gefüttert werden wollten. Immer wieder konnten wir zwei Küken beobachten, die einem Elternteil tollpatschig hinterher liefen um Futter zu bekommen. Das sah oft so lustig aus und wir bewunderten die Ausdauer der Kleinen. Manchmal waren wie minutenlang im Laufschritt unterwegs und rappelten sich immer wieder auf, wenn sie auf den Bauch fielen.
Langschwanzpinguine unter sich
Zwischen den Adeliepinguinen gab es Zügelpinguine und auch ein paar Eselspinguine. Es ist schon besonders, wenn an einem Flecken so viele verschieden Arten zusammen sind. Bei so einer hohen Pinguindichte war auch echt was los und uns fiel wieder einmal auf, dass die kleineren Pinguinarten viel aktiver als die größeren Pinguine waren. Während die Königspinguine auf Südgeorgien meist einfach nur sehr dekorativ herum standen und manchmal ein bisschen spazierten, herrschte auf den Plätzen mit den Langschwanzpinguinen ständig höchste Betriebsamkeit. Die kleinen Pinguine hüpften und liefen ständig herum und auch wenn wir das Gefühl hatten, dass sie oft irgendwie planlos herum irrten, war das Zusehen sehr unterhaltsam.
Schlussendlich mussten wir auch von diesem Platz Abschied nehmen und nach einem langen Nachmittag mit vielen Erlebnissen kehrten wir, im letzten Zodiac, diesmal ziemlich durchfroren zu unserem Schiff zurück.
2 Gedanken zu „Gourdin Island mit Seeleoparden auf Pinguinjagd“
Hallo,
Vielen Dank für die WUNDERBAREN Fotos! Das ist ja so als wäre ich auch dort ,nur ist es für mich gemütlicher und wärmer im Wohnzimmer. Aber mir ist schon klar dass es nicht annähernd so toll ist, als wie wenn man vor Ort ist. ( Bis auf die kalten Temperaturen …) Aber du bringst die Dokus so toll rüber und die tollen Fotos dazu ,da hat man schon das Gefühl auch ein bissi dort zu sein. Einfach genial ! !!! Der riesige Eisberg ist ein Wahnsinn !
Den Kampf vom Seeleopard mit den Pinguin hätte ich mir nicht gerne angesehen, aber es gehört zur Natur ,wie du sagst, sie töten wegen der Nahrungsaufnahme. Da geht es bei uns Menschen ja leider oft viel ärger zu.
lg Lilly
Hallo!
Hab grade „Seeleopard“ gegoogelt, weil mir die bis jetzt noch nie untergekommen sind. Die Zähne schauen echt zum Fürchten aus! Da hat der schnellste Pinguin keine Chance – und das ist ja auch irgendwie gut so, denn auch der Seeleopard hat ja Hunger.
Und die Eisberge sind der absolute Wahnsinn! Wieder mal „Danke“ für die tollen Fotos und die ganze Mühe, die ihr euch macht!
liebe Grüße